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Schifffahrt Ahoi!

Entgegen allen romantischen Klischees über Matrosen war Frank sehr offen und freundlich, als wir ihn auf seinem Schiff besuchten. Kein Wunder, hatte er doch gerade Feierabend an diesem Sonntag Mittag unten am Main, wo er mit seiner Crew soeben angelegt haben.
„Ihr könnt auch raufkommen wenn ihr wollt!“ und schwupps entern wir die Wilhelm Dettmer.

Frank ist Matrose und Steuermann auf dem Schiff, dass sich mit drei Mann Besatzung auf dem Weg von Krefeld nach Lengfurt befindet. Die anderen zwei, das sind Kapitän Steffen und Matrose Juri. Zusammen bringen sie Hüttensand in ein Zementwerk in Lengfurt. Dieser entsteht als Nebenprodukt der Roheisenherstellung im Hochofen und kann dann under anderem zu Zement weiterverarbeitet werden. Das erklärt auch die Route der drei aus dem Ruhrpott nach Unterfranken, durch elf Schleusen und vorbei an Off.
Ob man hier einfach so parken kann, wollen wir wissen und erfahren, dass das in Offenbach kein Problem ist. Wo Platz ist, kann man einfach festmachen. Anders sieht das schon in Frankfurt aus. Dort wurde das Anlegen von Frachtschiffen, außer in den Nebenarmen und im Hafengebiet, vor Jahren verboten.  Nur Personenschiffe und die lukrativen Ausflugsdampfer dürfen da stehen. Vermutlich behindern die Transportschiffe  die freie Sicht auf den Fluss. (Ein Schelm, wer dabei an die alte Rivalität zwischen Offenbach und seiner großen Nachbarstadt denkt.)
Geographisch gesehen macht es Sinn in Offenbach anzulegen, denn Off ist durch den Main-Donau-Kanal Teil der wichtigen Wasserstraße zwischen Rotterdam und Constanta (Schwarzes Meer). Außerdem ist die Innenstadt nicht weit und verfügt über gute Bahnanbindung. Das ist vor allem dann praktisch, wenn, wie in diesem Fall am Folgetag, die Besatzung wechselt.

Trotzdem berichtet Frank auch von einigen Schattenseiten, die das Anlegen in Offenbach nicht gänzlich angenehm gestalten: „In Offenbach passiert es auch mal, dass die Jugendlichen nachts die Seile losmachen, ins Wasser werfen und der Tanker dann ungesteuert umhertreibt.“ Seit das einmal vorgekommen ist, sichern die Matrosen die Wilhelm Dettmer immer mit einem sogenannten „verkehrten Schlag“ ab, ein Sicherheitsknoten, der schwerer vom Bojenstein zu lösen ist. Trotzdem mag er es, Hafenbach anzusteuern. „Die Stadt ist nah, dass man auch mal Partymachen kann“, erzählt der 28jährige. Unter seinem durch den Schiffsalltag verdreckten Tshirt-Ärmel lugt ein Tribaltatoo hervor. Er ist ein junger Mann, der viel Spaß an seiner Arbeit hat. Dabei hatte er eigentlich als Heizungsinstallateur gestartet. Ein Freund hat ihm von der Arbeit bei der Binnenschifffahrt vorgeschwärmt und so hat auch er sich entschieden in See zu stechen. Dafür muss man aber erstmal die Schulbank drücken – teilzeitig zumindest. Denn die Ausbildung zum Matrosen erfordert eine dreijährige Ausbildung, aufgeteilt in Theoriephasen, in denen man viel über Wasserstraßen, Seeverkehrsrecht und Knoten knoten lernt und Praxisphasen, die als sogenannter Schiffsjunge auf See verbracht werden. Nach seiner Lehre hat er dann die „Steife Prise“ Hamburgs geschnuppert, die Perle Deutschlands kennen gelernt. Jetzt ist er schon seit Längerem für die Reederei Dettmer zuständig. Franks großes Ziel ist es, bald als Kapitän zu Wasser zu gehen. Bis es soweit ist, übernimmt er aber erstmal mit die Aufgabe des Steuermanns.
Das Führerhäusschen ist ein interessanter Ort, penibel erklärt uns der Matrose die Funktionen der vielen Knöpfe und Bildschirme. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll, die Joystick-artigen Lenkknüppel fallen ins Auge genauso wie Manuel Neuer, dessen Foto  geschickt auf einem Plakat für das Verhalten im Brandfall aufgeklebt wurde. Frank weiß viel über die Schifffahrt und so erklärt er uns auf unserem ausgiebigen Spaziergang auf Deck, alles über das Fassungsvermögen des Tankers (2582 Tonnen sinds), was die Holländer in punkto Seefahrt den Deutschen voraus haben (Da es sich um einen wichtigen Wirtschaftszweig handelt, investiert der Staat sehr viel in die Optimierung des Schiffsverkehrs, zum Beispiel was die Müllentsorgung betrifft.) und den Maschinenraum (wobei er hier erst nachträglich Infos geben kann, denn im Gewölbekeller des Schiffs ist es so laut, dass er uns wie selbstverständlich vor dem Hinabsteigen Ohrschutz reicht.)
Stimmungsmäßig angenehmer als im leicht nach Benzin muffelnden Herzen des Schiffs, ist es in den Kajüten. Steffen, der Kapitän, ist gerade am Putzen als wir zusammen mit Frank eintreten. Etwas griesgrämig, dass wir die Schuhe nicht ausgezogen haben, erzählt er uns, dass er die 2-Zimmer-Kajüte mit Küche und Bad für den neuen Kapitän herrichtet, der offensichtlich ACDC Fan ist, zu erkennen an den Überzügen seiner Couch, die sich direkt vor der original aus den 70er Jahren stammenden Wohnwand mit Fernseher befindet. Ein Doppelbett im Schlafzimmer gibt’s auch. „Die sind extra für Seefahrer, die ihre Frauen an Bord holen. Die können dann mitfahren wenn auf dem Schiff Platz ist.“ Uns interessiert, womit sich die Damen den lieben langen Tag dann so beschäftigen, wenn ihre Männer doch einen Job von morgens bis acht abends haben. „Naja, die lesen dann viel, sitzen oder schauen sich die Gegend an.“, sagt der bärtige Kapitän.Und die Umgebung hat zumindest um den Rhein rum durchaus was zu bieten. Auch Frank genießt es, in seinen Job Landzüge kennen zu lernen. Bingen, Rüdesheim sind nur einige Städte von denen er ins Schwärmen gerät. Allein deswegen will er der Schifffahrt immer treu bleiben, sagt er und wirkt sehr zufrieden dabei. Der junge Mann lebt sein Leben auf See. Es scheint nicht, als würde er etwas vermissen, er versteht sich gut mit dem Rest der Besatzung, kommt viel rum und verdient gut. Nicht mal an BBQ fehlt es ihm. Denn im Raum des Bugstrahlmotors finden wir einen Grill vor. Frank lacht. „Ja, der ist zwar nicht mehr so fit, aber heute wollen wir das schöne Wetter nochmal genießen und grillen am Ufer.“

Auch am Ende unserer Schiffsbegehung widersetzt sich Frank den Klischees und wünscht uns viel Erfolg mit Allem und weiterhin frohes Schaffen. Dafür wünschen wir ihm und der Crew der Wilhelm Dittmer nun dafür umso mehr immer ne Handbreit Wasser unterm Kiel.