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zum abschluss der fahrradwoche nochmal ein fahrradwallpaper mit viele bokeh
(und liebe)

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Der Fahrrad-Komplex

Warum fährt ein Fahrrad?
Dies war eine der Fragen, mit der wir während unseres Besuchs bei der Fahrradgesellschaft konfrontiert waren. Als Quizmaster fungierte der Inhaber des kleinen Fahrradladens selbst. Erik Meyer ist seiner Meinung nach zwar kein Meister seines Fachs, aber immerhin schon seit bald 30 Jahren ist im Geschäft – sozusagen der Frank Elstner der Zweiräder.

Herzlich und mit hessischem Dialekt begrüßt er uns, als wir im Hinterhof in der Bahnhofstraße auftauchen. Viele Reparaturräder sind nebeneinander aufgestellt. Nicht verkäuflich ist allerdings Eriks Schatz. Denn mitten zwischen dem durchaus in die Jahre gekommenen Blech, ist ein dreirädriger Kabinenroller zu entdecken, ein Hudson ähnlich einem Messerschmitt (Oldtimer). Herr Meyer hat eine Passion für antike Fortbewegungsmittel, sammelt nicht nur wertvolle Fahrräder sondern auch Motorräder und Mopeds. Über 120 an der Zahl. Der silberne schmale Wagen ist eines seiner Lieblingsstücke, noch auf der Treppe  kommt er ins Schwärmen. „Am schönste ist´s im Spessart zu fahren, nen ganzen Tag lang.“ Er hat auch einen Fliegerhelm, den er extra für die Fahrten mit seinem „Dreirädsche“ besorgt hat. Aber genug vom Smalltalk. Wir betreten die Räumlichkeiten der Fahrradgesellschaft.

Runde 1 – „Wer war Moulton?“

Im Laden angekommen berichtet uns Erik von der Geschichte des Ladens. Sein Vater hatte die Fahrradgesellschaft (früher GbR daher der Namenszusatz Gesellschaft) zusammen mit einem Kompagnon Herr Jonasch damals auf dem Gelände der Heyne Fabrik gegründet. Bis nach England hatte es die beiden geführt, um auf Messen die angesagten Rahmen zu besorgen und in Deutschland zu bester Markenware zusammenzuschrauben. Wer war Moulton? Eine Zwischenfrage zum Aufwärmen, die mehr als überraschend von Erik in die Runde gestellt wird. Die Antwort gibt er – in Anbetracht unseres Schweigens – selbst. Es handelt sich um einen Fahrradguru, einer der ersten Produzenten von HighEnd-Falträdern, die noch heute Inbegriff für Praktikabilität sind. Ein Konzept das Meyer Senior mit nach Deutschland brachte und groß aufzog. Schon 1989 ist Erik bei seinem Vater mit eingestiegen, hat es genossen seine Leidenschaft für Modellbau und Technik zum Job zu machen. Schon immer hatte er Freude am Fahrrad „Mein Vater hat immer gesagt, wenn mir meine Arbeit keinen Spaß macht, soll ich damit aufhören. Aber ich kann mich jetzt seit mehr als 30 Jahren nicht beschweren.“ Vater und Sohn vertrugen sich generell gut – klar gab es immer mal wieder kleinere Reibereien, aber in diesem Fall war Erik immer recht stur: „Wenn wir gezofft haben, hab ich mir gedacht, der kann mich mal und bin 3 Tage nicht zur Arbeit gegangen.“ Trotzdem, das Team Meyer hat funktioniert – Und so zeigt uns der Fahrradprofi stolz die Preise seines Vaters, die dieser im Radsport gewonnen hat. Sogar deutscher Meister ist er geworden. Aber wieder sind wir abgeschweift.

Runde 2 – „Was ist ein 29er?“

Wir streifen weiter durch das Geschäft an den alten Fotos aus den 70er Jahren vorbei, wieder vor zu den Fahrradgestellen. Betrachtet man den Laden genauer, sieht man neben modernen, schnittigen Modellen auch alte Schinken stehen, antik. Uns fällt das auf. „Wie schön die älteren Modelle sind.“ Herr Meyer hat dazu schon die nächste Frage im Sinn. „Ja wisst ihr denn, was ein 29er ist?“ Ratlosigkeit steht in unseren Gesichtern und Erik freut sich, als er uns zeigen kann, dass es sich um bestimmte Mountainbikes handelt, die Meyer Senior schon Ende der 80er ins Repertoire aufnahm und populär machte. Mit der Bezeichnung 29 Zoll ist eigentlich nur der Durchmesser des Reifens gemeint. Und immer mehr verfällt Herr Meyer der Fahrradsprache. „Es gibt 28 Zöller die sind größer als 27-630er, die meisten 28-622 Räder sind aber kleiner als 27.“ Vor Ziffern 27 und 28 dreht es sich bei uns im Kopf. Und schon finden wir uns im Hof wieder, wo uns Erik das ganze mal vorführen will. Wir wollen zurück zum Small Talk und erkundigen uns nach der Philosphie des Fahrradspezis und seiner Gesellschaft. „Ich hab keinen Bock auf minderwertiges Zeug. Wer billig kauft, kauft immer zweimal. Bei mir gibt’s keinen Schrott.“ Erik steckt in der Materie, kennt sich aus, mit Geschichte und physikalischen Grundlagen. Dadurch, dass er alles in seinem Laden selbst übernimmt, vom Reifenwechsel bis hin zur Montage ist er mittlerweile Vollprofi.

Runde 3 – Das Finale.

Erik ist stolz auf seinen Laden und das, was er erreicht hat. „Ich kann gut Leben. Und das verdanke ich meiner eigenen Hände Arbeit.“ Er hebt seine Hände, wackelt mit den Fingern. Das ist auch der Grund, warum der Ladenbesitzer auf Diebe allergisch reagiert. Einen hat er sogar mal auf frischer Tat ertappt, als dieser versuchte, sich an der Ladenkasse zu bereichern. Nach einer Rangelei und einer wilden Verfolgungsjagd quer durch die Fahrradreihen, hat er ihn geschnappt, mit Fahrradschlössern ans Treppengeländer gekettet und im Auge behalten, bis die Polizei kam. „Bei allen, die hier was mitgehen lassen, werd´ ich ungemütlich. Wenn ich da einen erwische, zieh ich ihm das Gesicht über den Rauputz bis nichts mehr über ist davon. Nicht mal die Pickel!“ und man merkt, dass er´s ernst meint. Der Tatort wechselt, wir sind wieder mitten im Zweirad-Komplex. Wir starten ins Finale, angelangt bei der Kategorie „Sonstiges“. Wie tricksen Billig-Produzenten die Leute aus? Von was handelt der Film „Als die Tomate das Radfahren lernte“? Was ist der größte Unterschied zwischen einem Billig- und einem Markenrad? Erik überzieht gnadenlos. Der nächste Kunde wartet schon mit einem Reifen unterm Arm, lauscht aber interessiert den Fakten über Gewinde, Stahl- und Gangarten. Nach knapp 2 Stunden sind wir ganz schön gerädert aber dafür wissen wir nun vermutlich alles über Fahrräder.

PS: Ein Fahrrad kann übrigens fahren, weil es gelenkt werden kann. Hättet Ihr´s gewusst?

Of Bikes and Men

manchmal, wenn ich mit dem rad zur s-bahn station am marktplatz fahre und versuche den letzten noch verbliebenen freien platz zu finden, wundere ich mich über die ganzen fahrräder die dort herumstehen und brav angekettet auf ihre fahrer warten. man muss dazu sagen, dass ein unitag bei mir oft erst mittags losgeht, es also kein wunder ist, dass schon alles belegt ist, bis ich da bin. für die meisten pendler beginnt der alltag ja ein wenig früher. und dann beginne ich mich zu fragen, was die wohl alle so treiben – fahrräder, sowie fahrradbesitzer. fahren die alle nach frankfurt? warum fahren sie mit dem fahrrad zur bahn? ist es weit? wurden sie schonmal geklaut? vielleicht ja schon öfter und dann weiterverkauft. und warum wurden sie wohl verlassen und wie lange stehn sie schon hier?
irgendwann macht die stadt dann eine notiz an diese verlassenen drahtesel, dass man sie demnächst entfernen wird….
und dann erkenne ich bestimmte fahrräder immer wieder. und sie stehen immer an einem anderen platz aber immer ungefähr in der gleichen ecke und ich denk mir ah gut, der mit dem türkisen hercules mit rundem, schwarzen korb ist auch wieder da. also geht es ihr oder ihm gut und sie oder er ist vermutlich gerade arbeiten …oder in der schule …oder studieren oder sonstwas…wer weiß.
und so entsteht ein minigefühl von vertrautheit. und wenn die fahrräder immer wiederkehren, dann ja vermutlich auch die dazugehörigen menschen. und ich wundere mich, wie vielen von ihnen ich bereits über den weg gelaufen bin ohne jemals eine verbindung herzustellen….