Give them a house

Wir sitzen im kleinen Office von Butternotmargarine, dem Offenbacher Online Fashionstore. Bei uns sind Oli und Sarah, ein junges Paar und Teil des Teams. Der eigentliche Grund für unseren Besuch ist allerdings nicht Wissbegier nach Mode, sondern vielmehr die Charity Atkion, welche schon seit einer Weile auf dem Blog von Bunoma läuft. „Give them a house“ wird auf einer schwarzen Beanie postuliert, der Reinerlös wird gespendet heißt es weiter und wir wollen wissen, was dahinter steckt.

IMG_6581Sarah und Oli von Bunoma. Normalerweise hinter der Kamera, posen die Beiden diesmal höchstpersönlich in der Charity-Beanie für on off.

Dazu muss ich, Lilian, von den beiden allerdings zuerst einmal aufgeklärt werden, dass „Beanie“ eigentlich nur den besonderen Schnitt der Mütze beschreibt und  sofort wird mir wieder bewusst, warum ich nicht für einen Modeblog schreibe. Nachdem das geklärt ist, sind Paul und ich an den Basics der Charity interessiert. Für wen oder was wird eigentlich gesammelt? „Wir unterstützen den Kältebus und damit eine Aktion des Frankfurter Verein für soziale Heimstätten e.V. Der Bus kümmert sich um alles, was Obdachlose in der Nacht gut brauchen können: Von Tee über Decken bis hin zum kostenlosen Transport zur nächstgelegenen Übernachtungsstätte“, erzählt Oli. Jährlich von Oktober bis April ist der Kältebus auf Tour. Jede Nacht von 21 bis 5 Uhr morgens.  „Es ist klar, dass die ganze Sache schon ins Geld geht. Ausgaben für Essen, die Materialien, auch Benzin – das ist ja alles nicht günstig“, meint Sarah. Wirklich viele Spenden nehme der Verein allerdings nicht ein, um diese Ausgaben problemlos stemmen zu können. „Es gibt keine Flyer, keine Werbung, daher auch absolut kein Bewusstsein für die Sache. Wir wollen uns für die Bekanntmachung stark machen.“ Aber wie kommt der Onlinestore eigentlich zur Wohltätigkeit interessiert uns. „Der Oli macht schon immer was mit Charity!“, platzt es aus Sarah heraus und wir erfahren, dass der DJ, als Teil der Offenbacher Partykombo „Caroli“ schon häufig an Veranstaltungen für den guten Zweck mitgewirkt hat. Auflegen zu Gunsten der Offenbacher Kinderklinik oder für den Weltaidstag. Mit „Give them a house“ wird nun das erste Baby im Stil des jungen Fashion Stores aufgezogen. Losgelöst von Szenemusik ist das Ganze dann aber doch nicht: Das Logo der Kampagne wurde von Dominik Keller, Mitglied des DJ Duos „Stereohaunts“ entwickelt.

IMG_6572Aber wir kommen zurück zur Aktion selbst. Wie arbeitet der Kältebus überhaupt? „Eigentlich ganz einfach“, meint der junge Unternehmer. „Ein kleines Team, meistens zwei Leute fahren in der Nacht rum, lesen Hilfebedürftige von der Straße auf und versorgen sie mit dem Nötigsten.“ Oli hat sich mit den Leuten des Vereins getroffen, viel mit ihnen geredet und man merkt, dass er sich mit der IMG_6592 (Kopie)Sache intensiv auseinander gesetzt hat. „Ich habe großen Respekt vor den Leuten – das ist n´ roughes Business! Die Fahrer sind in der Nacht unterwegs und helfen. Auch wenn viele gar keine Hilfe wollen. Da fängt man sich wohl auch schon mal eine…“. Ein ziemlicher Dämpfer, wenn man eigentlich für eine gute Sache steht. So geht es Butternotmargarine leider auch hin und wieder: Einige böse Stimmen sehen in der Charity „Give them a house“ pure PR, den Versuch, mehr Absatz zu generieren. Aber Oli sieht die Sache locker:  „Klar verkaufen wir die Mütze in unserem Store, aber der Erlös geht einzig an den Kältebus. Und was ist falsch daran, „Give them a house“ auf unserer Plattform zu kommunizieren? Wir verbinden diese zwei Dinge. Für nen guten Zweck.“  So eine Form der Unterstützung ist im Rhein Main Gebiet auch mehr als nötig, finden die Beiden: Rund um Berlin zum Beispiel sei eine höhere Awareness da, was die Unterstützung von Obdachlosen anbelangt: „Da gibt´s nicht nur einen Kältebus im Umkreis wie hier – sondern viele verschiedene Anlaufstellen, die auch präsent sind in den Köpfen der Leute.“ Hier wüssten viele nicht einmal von der Existenz solcher Institutionen. Aber das war nicht immer so. Ein „Movement“, wie es Oli beschreibt, gab es auch hier mal. „Vor gut 10 Jahren hat Sven Väth eine regelmäßige Partyreihe musikalisch unterlegt, die für Heimatlose gesammelt hat. Mit Off Locations und House hat er echt viele Menschen zusammengebracht, die sich dann auch mit dem Problem auseinander gesetzt haben.“ Die Events liefen damals unter dem Namen „Give them a house“ – und sind damit auch Namensstifter für die Kampagne von Butternotmargarine. Musik, Mode und Charity kommen stärker überein als wir dachten, aber es passt, finden Paul und ich.

Eine Beanie tragen, Geld spenden oder die Notfallhotline im Handy speichern, für den Fall, dass man Obdachlose nachts  auf der Straße sieht  – ganz egal. Das Wichtigste ist, Bewusstsein für den Kältebus und seine Mission zu haben und zu schaffen. On off ist dabei.

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