Sommer II

Sommer heißt Wärme, Wasser, Draußen sein. Wir haben uns in den letzten Wochen mit der Frage beschäftigt, wie Offenbach die heißen Tage verbringt und wo sich seine Bewohner aufhalten, um sie zu genießen. Teil zwei der Retrospektive.

Badehaus

Vor 170 Jahren siedelte sich ein Fabrikgelände im Osten Offenbachs an. Mit dem Aufkommen von Maßnahmen rund um das Wohl des Arbeiters Anfang des 20. Jahrhunderts, entstand auch der Sozialbau, der in der heutigen Friedhofstraße zu finden ist. Mit diesem Schritt sollte die Zufriedenheit der Angestellten gewährleistet werden und so entstanden Betriebsküchen und -speisesäle, Aufenthaltsräume und auch das Badehaus. Darin konnten sich die Arbeiter, die jeden Tag mit Farben- und Feinchemikalien hantiert haben, waschen.
Die insgesamt 83 Duschen waren aufgeteilt in mittelständische Mehrkabinenduschen und geräumige Sanitäranlagen für höhere Angestellte. Große Spinte säumten die Mitte des Hauses, Wannen ermöglichten ein ausgedehnteres Baden und die abschließende Hygiene wurde durch Fußdesinfektionsdüsen gewährleistet. Zu Höchstzeiten haben hier rund 2700 Männer und Frauen für ihre persönliche Reinlichkeit gesorgt. Für eine innere Desinfektion durch Calcium sollte ein halber Liter Milch nach jeder Schicht sorgen.
Heute stehen keine Spinte mehr in der großen Halle. Manche Kacheln klappern wenn man sie betritt. Das Wasser, welches der letzte verbliebe Hahn freigibt, hat eine bräunliche Färbung. Die Uhren, die früher den Takt des Arbeitsalltags vorgegeben haben, sind alle um kurz vor halbzwei stehen geblieben, genau in dem Moment als die Mutteruhr des Geländes abgeschaltet wurde…