Wallpaper Wednesday

One day it started raining, and it didn`t quit for four months. We been through every kind of rain there is. Little bitty stingin` rain… and big ol` fat rain. Rain that flew in sideways. And sometimes rain even seemed to come straight up from underneath.

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Die Villa

Man erzählt sich, dass – die Villa steht seit weit über zehn Jahren leer –
dies das einzige Spukhaus in Offenbach ist. Angeblich habe vor langer Zeit ein unglückliches Ehepaar dort gelebt. Der Mann habe irgendwann in Rage seine Frau
mit mehreren Messerstichen getötet und sich danach selbst erhängt.
(aus „verborgen“, hfg Offenbach_Main)

Folgt man dem Weg auf der Frankfurter Straße in Richtung Oberrad, trifft man ziemlich genau auf Höhe der Straßenbahnstation auf eine leerstehende Villa. Einst das Statussymbol für Wohlstand, ist der Altbau nun verlassen, bewuchert und verlottert. Von der Straße aus kann man nur schwer in den Hohlkörper schielen, denn er steht auf einem riesigen Grundstück. Es wirkt ein wenig verloren, fast so als würden die Gebäude im Umfeld bewusst einen großen Bogen um die Villa herum machen. Die wenigen aber tiefen Eindrücke, die man erhält, lassen auf ein spannendes, fast gruseliges Inneres schließen.

Bei diesem Anblick wurde unser Forscherdrang geweckt – was hat es mit der majestätischen Villa am Stadtrand auf sich, wollen wir wissen.

Bei unserer ersten Recherche zur Offenbacher Landstraße lasen wir von einer Tragödie, einem Mord, der sich in dem Haus abgespielt haben und bis heute ungeklärt sein soll. Spuk treibe seitdem sein Unwesen und beschere allen nachfolgenden Besitzern finanziellen Ruin.

Unsere weiteren Untersuchungen führten zum Amt der Stadt Offenbach. Aber es kam eher zu einer – egal ob gewollt oder ungewollten – Abschiebung von Verantwortung, denn vom Offenbacher Bauamt kamen wir zur Kreisbauaufsicht, hin zu irgendeiner Stelle in Dietzenbach und schließlich gelangen wir wieder, wo wir begonnen haben – in Frankfurt: Das Archiv für Bauwerke war nicht besetzt, selten jemand zu erreichen. Auch die Frage nach der Bauakte der Offenbacher Landstraße 526 verläuft sich zwischen Telefonaten. Genauso hoffnungslos schien die Suche nach einem etwaigen Immobilienunternehmen als aktuellen Besitzer.

Es wurde klar, dass wir uns an die halten müssen, die direkt mit dem Haus verbandelt sind: Nachbarn. Das erste Mal haben wir im Rahmen unserer Recherchen Glück, denn gerade als wir überlegten, welchen Anwohner wir à la „Hallo wir sind von onoff und haben da mal ne Frage – “ aus der Sonntagsruhe klingeln sollen, sprangen zwei Kinder aus der Tür des direkten Nebenhauses, gefolgt von den Eltern. Anfänglichem Zögern folgten klare Antworten: Nachdem die langjährige Besitzerin an Krebs gestorben war, zog 1981 ein Arzt mit seiner Familie in die Villa. Das Erdgeschoss bestand aus der luxuriös eingerichteten Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Medizin, Patienten gab es immer reichlich und so hatte Dr. Herting keine Probleme, das riesige Grundstück plus Wäldchen im hinteren Areal zu halten. Obwohl die Familie zurückgezogen lebte, waren sie stets höflich und „ordentliche“ Leute – Mittagspausen nutzte der Herr Doktor oft dazu, seinen riesigen Garten zu mähen. Trotzdem verließ die Familie ihre Villa Anfang der 90er Jahre. Grund dafür war allerdings kein tragischer Mordfall, die Hertings wanderten schlicht nach Meran aus.

Fakt ist, dass sich nachfolgende Besitzer mit dem Anwesen etwas schwer taten – die Investment Gesellschaft, die das Grundstück nach dem Auszug übernahm, versuchte rentable Geschäfte durch den Neubau von Wohnungen zu machen. „Wohnen wie Gott in Frankfurt“ hatte es auf dem großen Plakat geheißen, welches im Vorgarten der Villa angebracht war und ein 26-Parteien-Haus ankündigte. Aus mangelnder Interesse wurde das allerdings nie gebaut, selbst der Abriss blieb in der Planung stecken. Seitdem wechseln die Eigentümer häufig, meist handelt es sich um renommierte Immobilienmakler, die sich stückchenweise am Haus zu schaffen machen: vor zwei Jahren wurde das kleine Waldstück abgeholzt, ein Lagerplatz für Baumaterialien ist nun im großen Garten zu finden und seit kurzem kommen immer wieder Männer zum Maßnehmen. Obdachlose, die die Villa sporadisch als Schlafgelegenheit nutzen, stören die Anwohner nicht weiter.

Unseren Interviewpartnern ging langsam der Stoff aus – es blieb nicht mehr viel über die Villa zu sagen. Gerüchte über Todesfälle oder gar Poltergeister taten sie mit Lächeln ab und auch wir nahmen den „rationalen“ Werdegang der Hausnummer 526 an. Trotzdem – fast ist es ein bisschen schade, dass dem einzigen Offenbacher Spukhaus so schnell ein Riegel vorgeschoben wurde.